Botschaft des Präsidenten

Barry Rassin

Präsident 2018-19

April 2019

alle zwei Minuten stirbt irgendwo auf der Welt eine Frau an komplett vermeidbaren Ursachen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Und bei Babys, deren Mütter in den ersten sechs Wochen nach deren Geburt sterben, liegt die Wahrscheinlichkeit, selbst zu sterben, wesentlich höher als bei Babys, deren Mütter überleben. Als ich als Präsident von Rotary um die Welt gereist bin, habe ich Familien getroffen, für die dies nicht nur eine statistische Tatsache war. Doch ich lernte auch Menschen kennen, die sich der Hilfe gerade dieser bedürftigen Mütter und Kinder widmen - und das gibt mir Hoffnung. Und dass viele dieser Menschen Rotarier sind, macht mich auch stolz. Der April ist für uns der Gesundheitsmonat für Mütter und Kinder in Rotary, also ist es der perfekte Zeitpunkt, um Ihnen von einigen dieser Dinge zu erzählen, die Rotarier tun. Ich bin sicher, es wird auch Sie erfreuen.

Im vergangenen Herbst besuchte ich ein Krankenhaus in der Stadt Jekabpils in Lettland. Es ist ein modernes Krankenhaus, die Ärzte und Krankenschwestern dort sind fürsorglich, engagiert und kompetent. Aber trotz all ihres Einsatzes war die Müttersterblichkeitsrate in dem Krankenhaus hartnäckig hoch geblieben, was auf einen Faktor zurückzuführen war, der sich ihrer Kontrolle entzog: nämlich einen akuten Mangel an lebenswichtigen Diagnosegeräten und sogar an grundlegenden Geräten wie Inkubatoren.

Und genau hier kam Rotary ins Spiel. 21 Clubs aus der ganzen Welt schlossen sich zusammen, um ein Global Grant zu erhalten, das dem Krankenhaus alles zur Verfügung stellte, was es brauchte. Und im September, als ich dort die Entbindungsstation besuchte, sah ich modernste Geräte und ich traf Patienten, die die Pflege erhielten, die sie brauchten - und die jede Mutter und jedes Kind auf der Welt verdient.

In Brasilien arbeiteten Clubmitglieder mit anderen Rotariern aus Japan gemeinsam an einem Global-Grant-Projekt, das die Kapazität einer überlasteten neonatalen Intensivstation deutlich erhöhte. Neue Inkubatoren, Monitore und andere Geräte haben es dem örtlichen Krankenhaus ermöglicht, jedes Jahr viel mehr Babys das Leben zu retten.

Und in der Mongolei organisierte ein Berufstrainingsteam aus Neuseeland den Unterricht in Notfalltechniken für Ärzte und Hebammen, richtete ein Programm ein, das Hebammen moderne Best Practices lehrte, und recherchierte und verfasste ein kulturell relevantes Handbuch zur Geburtshilfeausbildung. Zwischen 2013, als das Team zum ersten Mal in die Mongolei reiste, und 2017 sank die neonatale Sterblichkeitsrate in dem Land von 11,2 auf 9,1 pro 1.000 Geburten. Auch die Müttersterblichkeitsrate ist signifikant gesunken.

Genau das meine ich, wenn ich über Transformational Service spreche, also einen Dienst, der wirkliche Veränderung bringt. Und das ist es, was Rotarier am besten können. Dank unserer globalen ebenso wie unserer lokalen Präsenz, die es uns ermöglicht zu sehen, was wo am meisten benötigt wird, und dank unserer Expertise, die unzählige Fähigkeiten und Berufe umfasst, können wir in einer Weise helfen, die ihresgleichen sucht. Und wir können eine Inspiration für andere sein, die ebenfalls denen helfen wollen, die unsere Unterstützung am meisten brauchen.


März 2019

Eines der Dinge, die ich an meiner Tätigkeit als Präsident von Rotary International am meisten schätze, sind die Menschen, die ich kennenlerne. Einen Großteil meiner Zeit verbringe ich mit Reisen und Besuchen von Rotary Clubs auf der ganzen Welt. Und ein rotarischer Empfang ist etwas ganz Besonderes. Aber lassen Sie mich Ihnen sagen, es gibt nichts so Herzliches wie die Begrüßungen, die von den Rotaractern für mich ausgerollt wurden. Das sind junge Menschen, die sich den Idealen von Rotary verpflichtet fühlen, die ihre Herzen für Engagement öffnen und dabei nicht vergessen, Spaß zu haben.

Einer der Höhepunkte meiner letzten Reisen war eine Reise nach Ghana, wo ich einen Distrikt mit rund 60 Rotaract Clubs besuchte. Doch geben sich die Rotaracter dort mit dieser Zahl nicht zufrieden - sie sind sogar begeistert von einem Plan, sie zu verdoppeln. Und ich bin sicher, sie werden es auch tun.

Rotaracter impfen Kinder gegen Polio. Sie spenden Blut, wenn die Versorgung gefährlich niedrig ist. Sie stellen Anlagen zum Händewaschen für Schulen zur Verfügung, in denen Kinder bisher keine Möglichkeit zur Hygiene hatten. Kurz gesagt, es geht um transformativen Dienst: die Durchführung von Projekten, die in ihren Gemeinden einen echten Unterschied machen.

In Nakivale in Uganda wirkt ein Rotaract Club in ganz besonderer Weise humanitär: in einer Flüchtlingssiedlung. Diese jungen Menschen verwandeln das, was andere als Nachteile sehen könnten, in Möglichkeiten, bauen eine Gemeinschaft auf und eröffnen den am meisten Benachteiligten neue Chancen.

In der Türkei besuchen Rotaracter jeden Mittwoch Kinder im Krankenhaus, um sie aufzuheitern und mit ihnen zu spielen. Außerdem betreuen sie neue Studenten an ihrer Universität und vermitteln ihnen Führungsqualitäten.

Rotaracter gehen diesen Weg, damit Rotary in diesem neuen Jahrhundert des Dienstes eine größere Bedeutung erlangen kann. Und die Welt-Rotaract-Woche, die wir vom 11. bis 17. März feiern, ist die perfekte Gelegenheit, Ihre lokalen Rotaracter kennenzulernen und mit ihnen darüber zu sprechen, wie Ihre Clubs zusammenarbeiten können.

Wenn Ihr Rotary Club noch keinen Rotaract Club sponsert, sollten Sie wissen, dass Sie nicht in der Nähe einer Hochschule oder Universität sein müssen, um dies zu tun: Rotaract Clubs in Gemeinwesen sind eine ebenso gute Option. Und denken Sie daran, dass Rotaracter Teil der Rotary-Familie sind.

Und wenn Rotaracter aus Altersgründen ihren Rotaract Club verlassen, wollen wir nicht, dass sie gleichzeitig unsere Rotary-Familie verlassen. Das müssen wir unbedingt verhindern. Daher bitte ich alle Rotarierinnen und Rotarier, ihnen beim Übergang in einen Rotary Club zu helfen – oder dabei, einen neuen Rotary Club zu gründen. Ich freue mich, so viele neue Clubs zu gründen, wie wir brauchen, um jedem einen Ort zu geben, an dem er sich zu Hause fühlt und gleichzeitig die Welt ein wenig besser macht. Engagement soll Spaß machen, es soll inspirierend sein, und es soll offen für alle sein.

Wenn es eine Sache gibt, in der Rotary sich schon immer ausgezeichnet hat, dann ist es die Vielfalt. In der Vergangenheit bedeutete das oft eine Vielfalt von Beruf, Nationalität und Perspektive. Wir haben große Fortschritte in Bezug auf die Vielfalt von Alter und Geschlecht gemacht, und wenn wir mehr Rotaracter in unserer Organisation begrüßen, werden wir noch stärker werden.

Rotary ist mächtig. Zusammen mit Rotaract ist es unaufhaltsam. Wenn wir Seite an Seite arbeiten, haben wir das Potenzial, eine Inspiration auf jeder gesellschaftlichen Ebene zu sein, für jede Person, der wir begegnen.


Februar 2019

Auf meinen Reisen im vergangenen Jahr habe ich viele starke, lebendige Clubs und Distrikte besucht, die ihre Gemeinwesen aktiv verändern. Wenn ich an ihren Meetings teilnehme, spüre ich ihre Energie. Wenn ich ihre Mitglieder treffe, sehe ich, dass sie Menschen der Tat sind. Und wenn ich mir ihre Gemeinwesen ansehe, kann ich die Auswirkungen ihrer Arbeit erkennen.

Ich habe aber auch Rotary Clubs besucht, die wenig mehr waren als soziale Clubs. Das sollte nicht so sein. Glücklicherweise gibt es einen einfachen Ansatz, der meiner Meinung nach dazu beitragen kann, jeden Club neu zu beleben und sozial aktiv zu machen.

Ich möchte jeden Rotary Club aufrufen, mindestens ein wirkungsvolles Dienstprojekt zu entwickeln. Jeder Club verfügt bereits über das Potenzial und die Ressourcen, um dies zu erreichen. Jeder Club hat die Kraft, das Leben von Menschen komplett zu verändern.

Dazu ist kein Millioneneinsatz von Mitteln nötig. Eines der transformativsten Projekte, an dem ich beteiligt war, war die Bereitstellung eines Jeeps für eine Gruppe von Hebammen in Haiti. Wir hatten die Hebammen gefragt, was wir für sie tun könnten, und sie sagten uns, dass sie eine Möglichkeit brauchten, um werdende Mütter in einem abgelegenen Teil des Landes zu erreichen. Wir stellten also einen Jeep bereit, statteten ihn wie eine Mobilklinik aus, lackierten ihn rosa und versahen ihn mit dem Rotary-Logo. Drei Jahre später gingen wir zurück, um zu sehen, wie es den Hebammen in der Zwischenzeit ergangen war. Sie waren begeistert von den Ergebnissen: Sie sagten uns, dass die Sterblichkeitsrate für Mütter und Kleinkinder in dieser Region um 50 Prozent gesunken sei.

Das ist es, was ich transformational service nenne, als einen Dienst, der zu grundlegenden Veränderungen führt.

Natürlich halten Jeeps nicht ewig, und nach acht Jahren auf ständiger Fahrt über ausschließlich unwegsame Strecken hatte dieses Fahrzeug seinen Dienst erfüllt und besaß nur noch Schrottwert. Also kauften wir einen neuen rosa Land Cruiser. Der ist immer noch unterwegs und ermöglicht es den Hebammen, Frauen in dieser abgelegenen Region eine zuverlässige pränatale Betreuung anzubieten.

Was aber macht ein Projekt „transformatorisch"? Es muss wie gesagt nicht viel Geld kosten, aber es muss die Menschen erreichen und einen wirksamen Einfluss auf die Gesellschaft haben. Das ist der Schlüssel, und genau hier setzen sorgfältige Planung und gründliche Erforschung der Bedingungen vor Ort an. Stellen auch Sie Ihre Recherchen. Nutzen Sie Ihre Ressourcen. Suchen Sie Partnerschaften, die Ihre Wirkung steigern können. Und dann handeln Sie.

Natürlich ist der Service nur ein Teil dessen, was ein starker Club zu bieten hat. Es muss auch gute Redner geben, ein adäquates Führungstraining, Rotaract und Interact müssen einbezogen werden. Und die Mitglieder müssen einen echten Wert in der Teilnahme an Rotary-Veranstaltungen finden.

Aber wenn sich Ihr Club gut organisiert dazu aufmacht, Veränderung zu schaffen, wird alles andere folgen. Mitglieder engagieren sich, neue Mitglieder schließen sich an. Die Spendenbeschaffung wird einfacher: Menschen geben gerne, wenn sie sehen, wie ihr Geld einen Unterschied macht und wenn sie wissen, dass die Organisation verantwortlich mit ihren Spenden umgeht. Ihr Club wird lebendig, relevant und eine Inspiration sein – für seine Mitglieder ebenso wie für die Menschen des Gemeinwesens, dem er dient.


Januar 2019

Der Berufsdienst ist schwer zu definieren, aber leicht zu beschreiben: Es ist einfach der Punkt, an dem sich unser Rotary-Leben und unser berufliches Leben überschneiden. Wenn wir unsere Rotary-Ideale in unsere Arbeit einfließen lassen, dann ist das der Berufsdienst.

Als ich nach vielen Jahren der Tätigkeit in der Gesundheitsverwaltung im Ausland auf die Bahamas zurückkehrte, wurde mir klar, dass mein Land dringend eine moderne Gesundheitseinrichtung benötigte. Die Ressourcen, die wir damals hatten, waren veraltet und unzureichend, und Menschen, die nicht zur Pflege ins Ausland reisen konnten, erhielten oft nicht die erforderliche Pflege. Ohne meine Erfahrungen in den Vereinigten Staaten hätte ich nichts an dem Status Quo ändern können. Aber da ich diese Erfahrung mitbrachte, war ich in der besonderen Position, Einfluss nehmen zu können. Ich wusste, ich könnte meinen beruflichen Weg mit der guten Sache verbinden und meine Karriere nutzen, um die bahamaische Gesundheitsfürsorge zu verbessern.

Als Rotary Teil meiner Reise wurde, entdeckte ich, dass die Worte von Paul Harris, die zur Grundlage von Rotary wurden – nämlich dass eine gemeinsame Anstrengung keine Einschränkungen kennt – auch für meine Berufung zutraf. Ich konnte alleine keine moderne Gesundheitsfürsorge auf die Bahamas verlegen. Doch durch Partnerschaften, sowohl mit den Ärzten, die später meine Partner im Doctors Hospital wurden, als auch mit all den engagierten Mitarbeitern, die im Laufe der Jahre in dem Krankenhaus gearbeitet haben, konnten wir alles ändern. Mein Ziel wurde zu einem gemeinsamen Ziel – und dann wurde es Wirklichkeit.

Rotary betont die Würde und den Wert jedes Berufes. Denken Sie daran, dass zu den vier Gründungsmitgliedern keine Ärzte oder Friedensstifter gehörten – nur ein Rechtsanwalt, ein Bergbauingenieur, ein Kohlehändler und ein Drucker. Die Berufsvielfalt hat Rotary von Anfang an eine besondere Stärke verliehen und sie spiegelt sich in unserem Klassifizierungssystem wider, mit dem sichergestellt werden soll, dass jeder Club die gesamte Berufspalette des Gemeinwesens repräsentiert.

Paul Harris hat es so formuliert: „Jeder Rotarier ist das Bindeglied zwischen dem Idealismus von Rotary und seinem Beruf." Das galt so damals, als er es sagte, und es sollte heute genauso sein. Wir reservieren nur eine oder zwei Stunden pro Woche für unsere Rotary-Treffen, im Gegensatz zu unserer Arbeit, bei der wir die meiste Zeit verbringen. Durch Rotary werden diese Arbeitsstunden aber auch eine Gelegenheit für den Dienst: eine Chance, die Inspiration für diejenigen zu sein, mit denen wir zusammenarbeiten, und für die Gemeinschaften, in denen wir tätig sind.


Dezember 2018

es ist Tradition, dass die erste Jahresausgabe des englischsprachigen The Rotarian ein Profil des jeweils neuen RI-Präsidenten und dessen Familie enthält. Ich habe diese Profile immer mit großem Interesse gelesen und nie daran gedacht, ob ich vielleicht einmal eines Tages einen Redakteur der Zeitschrift zu meinem Clubtreffen mitbringen würde! Ich habe Zeit meines Lebens öffentliche Aufmerksamkeit immer eher gescheut, und mein Bild auf dem Cover des Magazins zu sehen, ist mir fast ein bisschen unangenehm. Aber als ich das Foto sah, das die Redaktion gewählt hatte, musste ich lachen. Weil weder ich noch meine Frau Esther der Fokus dieses Fotos sind. Vielmehr ist es eine Schar von Flamingos, die sich nicht im geringsten um Rotary schert. Alle Vögel gleiten in derselben Richtung an uns vorbei – außer einem.

Ich könnte mir kein passenderes Bild vorstellen, um die Botschaft zu reflektieren, die ich vermitteln möchte. Dieser eine Flamingo, der in die andere Richtung geht, repräsentiert so sehr das, was wir in und für Rotary tun müssen. Alle anderen gehen in die andere Richtung, das sieht der Flamingo wohl. Aber er sieht anscheinend auch, dass es vielleicht nicht der beste Weg ist. Vielleicht, nur vielleicht, gibt es ja einen besseren Pfad dort drüben! Das will er herausfinden, ehe er sich der Schar der anderen anschließt. Und falls es dort einen besseren Weg geben sollte, dann ruft er die anderen herüber, um es sich anzusehen. Und vielleicht, ja vielleicht, gelangen alle so auf einen besseren Pfad.

Veränderung ist schwer. Und je länger wir in eine Richtung geschritten sind, je mehr Freunde wir bei uns haben, desto schwieriger ist es, derjenige zu sein, der sich umdreht und es anders macht. Aber Veränderung – nicht Veränderung um ihrer selbst willen, sondern sorgfältige, überlegte, zielgerichtete Veränderung – ist essenziell für jede Organisation, die sich weiterentwickeln, relevant bleiben und in die richtige Richtung gehen will.

Ich bin auf dem Cover also nicht derjenige, um den es geht, sondern der Flamingo. Es geht darum, die Neugier, den Mut und die Überzeugung zu haben, verschiedene Wege zu gehen, die besser sein könnten – ob Sie sich nun auf einem schönen Morgenspaziergang auf den Bahamas befinden oder ob Sie den zukünftigen Kurs für unsere Organisation planen.


November 2018

Anfang Juni vor 30 Jahren war ich auf Geschäftsreise in Las Vegas. Ich hatte Rotary bereits für sechs Jahre angehört und hielt mich für ein durchaus aktives Mitglied. Ich besuchte jedes Meeting, ich hatte das Amt des Clubsekretärs ausgeübt, ich kannte jeden im Club. Doch für mich war Rotary damals eine lokale Organisation. Rotary verband mich mit Nassau, vielleicht noch mit den Bahamas. Aber weiter ging das nicht.

Ich hatte Rotary über den Horizont der Bahamas hinaus wenig Beachtung geschenkt und es war mir nie in den Sinn gekommen, zu einer Convention von Rotary zu reisen. In jenem Frühjahr jedoch ergab es sich, dass sich meine Dienstreise nach Las Vegas und die dortige Convention von Rotary terminlich überschnitten. Also dachte ich mir: Warum nicht? Ich meldete mich an, ohne zu ahnen, was für eine lebensverändernde Erfahrung mich erwartete.

Als sich die Türen des Kongresses öffneten, war ich einfach perplex. Es war eine Sache, zu wissen, dass wir eine globale Organisation mit über einer Million Mitglieder sind. Aber es war eine gänzlich andere, hier plötzlich in der Mitte dieser internationalen Gemeinschaft zu stehen. Ich ging zu jeder Plenarsitzung, ich besuchte jeden Stand im Haus der Freundschaft, ich erfuhr von Projekten, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie überhaupt in Rotary realisierbar wären. Mir wurden buchstäblich die Augen geöffnet, mehr noch, mein Bewusstsein über Rotary änderte sich komplett. Ich sah überall Inspirationen, was Rotary für mich tun könnte – und vor allem: was ich durch Rotary tun könnte. Diese Begeisterung ist bis heute lebendig geblieben. Und ich erneuere sie jedes Jahr – durch den Besuch des Jahreskongresses.

Im Juni 2019 kommt die rotarische Welt zusammen in Hamburg. „Erlebe den Moment“ heißt das Motto der 110. Convention von Rotary International, denn jedes Mitglied soll hier einen ganz persönlichen Moment der Inspiration erleben. Viele von Ihnen besuchen so wie ich seit Jahren diese Jahreskongresse. Für andere wird es das erste Mal sein. Aber ob man sich nun auf das Wiedersehen mit alten Freunden freut, Anregungen für das neue Rotary-Jahr sucht oder einfach Rotary erleben will – die profunden Impulse für jeden Teilnehmer sind garantiert!

Die Hafenstadt Hamburg war und ist seit Jahrhunderten eine Wirtschafts- und Kulturdrehscheibe Deutschlands. Und sie versteht sich als Tor zur Welt. Eine wunderbare Stadt, die den Besucher lockt, ob mit Spaziergängen an der Alster, Dampferfahrten auf der Elbe, sensationeller Küche, guter Musik, der Reeperbahn oder faszinierenden Museen. Und hier ein Tipp für Besucher aus Übersee: Hamburg ist der ideale Ausgangs- oder Endpunkt für eine Europareise!

Wenn Sie regelmäßig unsere Conventions besuchen, dann wissen Sie, dass Sie sich Hamburg absolut nicht entgehen lassen dürfen. Und wenn Sie noch nie eine Convention von Rotary erlebt haben, dann betrachten Sie dies als meine persönliche Einladung an Sie. Ich verspreche Ihnen, dass Ihr Besuch eine Inspiration für Ihren weiteren Weg in Rotary sein wird.

P.S.: Melden Sie sich noch bis 15. Dezember 2018 zum besten Anmeldepreis bei riconvention.org/de an.


Oktober 2018

Jeden Donnerstagmorgen erhalte ich eine E-Mail von der Weltgesundheitsorganisation zum aktuellen Stand der Polioeradikation. Sie enthält umfassende Angaben für die jeweiligen Länder: wo und wie Impfkampagnen durchgeführt werden, wie viele Millionen Kinder geimpft werden und wo durch Überwachungsmaßnahmen kursierende Polioviren isoliert werden konnten. Und jede Woche scheint mein Herz einige Sekunden auszusetzen, wenn ich die E-Mail in meinem Postfach sehe – bis ich die ersten Zeilen gelesen habe und erfahre, ob ein weiteres Kind in der vergangenen Woche durch das Wild-Poliovirus gelähmt worden ist.

Soweit, meine Freundinnen und Freunde, sind wir heute bei der Polioeradikation gekommen. Es stellt sich nicht länger die Frage, wie viele tausende Fälle wir dieses Jahr sehen werden, nicht einmal wie viele hunderte, so wie noch vor nicht allzu langer Zeit. Stattdessen gibt die E-Mail jeden Donnerstag Antwort auf eine einfache Frage: Gab es diese Woche einen neuen Fall oder nicht?

Vor 30 Jahren erkrankten jeden Tag 1.000 Kinder an Poliomyelitis. Jahr für Jahr und Woche für Woche haben wir bis heute gewaltige Fortschritte gemacht. Ein Land nach dem anderen und eine Region nach der anderen wurde für poliofrei erklärt. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto weniger Kinder erkranken und sie stellen keine abstrakten Zahlen mehr dar. Beim Öffnen der donnerstäglichen E-Mail frage ich mich nicht mehr, welche Zahl mir entgegenspringt. Vielmehr frage ich mich: Wurde diese Woche ein Kind gelähmt oder nicht?

Wir stehen so kurz vor der Ausrottung der Krankheit – und trotzdem bleibt noch so viel zu tun.

In diesem Monat bitte ich jeden Rotary Club, einen Beitrag zu „End Polio Now" zu leisten und den Weltpoliotag am 24. Oktober – bzw. im deutschsprachigen Raum in Europa am 28. Oktober – würdig zu begehen. Im letzten Jahr haben Tausende unserer Clubs in der ganzen Welt Events veranstaltet, um die Bevölkerung für dieses Anliegen zu sensibilisieren und Spendengelder zu sammeln. In diesem Jahr möchten wir mehr angemeldete Events am Weltpoliotag sehen als je zuvor. Wenn Sie eine Aktion oder Veranstaltung planen, registrieren und bewerben Sie diese bitte auf endpolio.org/de, damit noch mehr Menschen daran teilnehmen können. Es ist noch nicht zu spät, mit der Planung eines Events zu beginnen: auf endpolio.org/de finden Sie Ideen dazu, Informationen über den diesjährigen Livestream und hilfreiche Ressourcen für die Organisation eines erfolgreichen Events.

Der Weltpoliotag ist eine phantastische Möglichkeit, um Rotary und unser historisches Engagement für die Ausrottung der Kinderlähmung stärker in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. Weiterhin können wir so das Angebot der Bill & Melinda Gates Foundation bestmöglich nutzen, denn: für jeden Dollar, den Rotary für die Polioeradikation sammelt, gibt die Gates Foundation zwei weitere Dollar hinzu. Inspirieren wir gemeinsam mit Clubmitgliedern auf der ganzen Welt die Menschheit, sich für eine poliofrei Welt einzusetzen.


September 2018

Stellen Sie sich vor, wir könnten einen Schnappschuss machen, der die gesamte Arbeit von Rotary an einem bestimmten Tag erfasst. Niemand - außer Rotariern - würde glauben, dass eine einzige Organisation in der Lage wäre, so viel zu leisten. In diesem Schnappschuss würden Sie engagierte Freiwillige sehen, die daran arbeiten, Polio auszurotten, Mikrokredite einzurichten, sauberes Wasser bereitzustellen, Jugendliche zu betreuen und zahllose andere Aktionen durchzuführen.

All dies können wir dank unserer geografischen Reichweite und der Tatsache tun, dass unsere Clubs aus Menschen bestehen, die sich in ihren Gemeinden engagieren. Als Teil der Gemeinschaft, der Sie dienen, kennen Sie die Bedarfe, Sie haben die nötigen Verbindungen und Sie können sofort handeln. Deshalb sollten die Mitglieder jedes Rotary Clubs die Vielfalt seiner Heimatgemeinde widerspiegeln.

Wir haben große Fortschritte gemacht. In Ägypten, Indonesien und Kenia nähert sich Rotary einer Frauenquote von 50 Prozent. Wir bauen auch die Altersvielfalt unserer Clubs aus. In jeder unserer Gemeinden gibt es junge Berufstätige, die gerne ihre Talente einbringen, der Gesellschaft etwas zurückgeben und von Mentoren lernen möchten. Lassen wir Sie an Rotary teilhaben. Das Toolkit „Engagement der jungen Generation" auf rotary.org beinhaltet einen Aktionsplan, mit dem Sie junge Führungskräfte und Rotary-Alumni in Ihrer Region erreichen können.

Eine weitere Ressource, die uns helfen kann, die Vielfalt in unseren Heimatgemeinden besser abzubilden, ist Rotaract. Rotaract ist wie wir eine globale Organisation, hat eine Viertelmillion Mitglieder und teilt unsere Werte von Dienstbereitschaft und Führungsstärke. Rotaracter sind unsere Partner: Arbeiten Sie mit ihnen bei Projekten zusammen, bitten Sie sie, bei Ihren Veranstaltungen einen Vortrag zu halten, und laden Sie sie ein, Ihrem Club beizutreten. Es gibt engagierte Rotaracter weltweit, die Mitglieder von Rotary werden und sogar neue Rotary Clubs gründen, während sie noch Rotaract angehören.

Die Welt braucht Rotary, und Rotary braucht starke Clubs und engagierte Mitglieder, um mehr zu erreichen. Es liegt in unserer Verantwortung - bei Ihnen und bei mir - sicherzustellen, dass jeder, der sich für Rotary interessiert, eine Einladung zu einem Treffen erhält. Nutzen Sie das Tool für Mitgliedschaftsempfehlungen auf rotary.org, um Personen, die an einer Mitgliedschaft in Rotary interessiert sind, die Kontaktaufnahme mit einem für sie geeigneten Club zu erleichtern. Und lassen Sie uns dafür sorgen, dass unsere Clubs interessant für jedes Mitglied bleiben. Durch den Aufbau starker Clubs, die sich an sinnvollen Projekten beteiligen und Spaß dabei haben, bieten wir unseren Clubmitgliedern einen Mehrwert, den sie nirgendwo sonst finden können.

Lassen Sie uns Rotarys Geschichte - die Geschichte, die mit diesen Momentaufnahmen von Engagement und Einsatz festgehalten werden kann - nicht für uns behalten. Ich möchte Sie dazu ermuntern, Führungskräfte aller Altersgruppen einzuladen, Männer und Frauen, die nach einer Möglichkeit suchen, etwas zurückzugeben. Seien Sie die Inspiration in Ihrer Gemeinde und helfen Sie Rotary dabei, Gutes in der Welt zu tun.


August 2018

Ein bekanntes Bonmot besagt: Wenn Du die Welt verändern willst, geh nach Hause und zeig Deiner Familie Deine Liebe. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass alle Belange außerhalb des eigenen Heimes ignoriert werden sollten. Aber Menschen sollten mehr auf ihre inneren Bedürfnisse achten.

Wenn wir uns auf den humanitären Dienst konzentrieren, kann es manchmal verlocken, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die so ganz nach Service aussehen: die Projekte, die Planung, die Arbeit, die Ergebnisse für bedürftige Menschen. Doch um all das effektiv ausführen zu können, müssen wir unsere eigenen Angelegenheiten in Ordnung haben. In Rotary bedeutet das, dass wir uns stets nach den rotarischen Prinzipien verhalten, andere mit Respekt behandeln und die Vier-Fragen-Probe anwenden. Es bedeutet auch, dass wir unsere Wirkung durch umsichtige Planung und vernünftigen Einsatz von Ressourcen maximieren. Und es bedeutet schließlich auch, dass wir uns um die langfristige Gesundheit unserer Organisation kümmern, indem wir für einen starken, engagierten und gesunden Mitgliederstand sorgen.

Unsere Mitgliederzahl bewegt sich seit 20 Jahren immer um die 1,2-Millionen-Marke herum. Das heißt, wir wachsen nicht und unsere Mitglieder werden im Schnitt immer älter. Wir haben auch zu viele Clubs, die entweder nicht das Wissen oder die Motivation haben, Wirkung zu erzeugen. Clubs, die nicht wissen, was wir auf globaler Ebene leisten, die nichts über unsere Programme oder unsere Stiftung wissen, die nicht wissen, wie sie sich überhaupt einbringen können. Und mit einer immer noch mehrheitlich männlichen Mitgliedschaft tun wir offensichtlich nicht genug, um eine wirklich attraktive Mitgliederorganisation für Frauen zu werden, die sich gesellschaftlich engagieren wollen.

Und wir sind schließlich in erster Linie eine Mitgliederorganisation. Wenn wir also unsere selbstgesteckten Ziele realisieren wollen, müssen wir zuerst die Mitgliedschaft berücksichtigen. Wir alle tragen die Verpflichtung, die Mitgliedschaft ernst zu nehmen, nicht nur indem wir potenzielle Neumitglieder einladen, sondern indem wir auch sicherstellen, dass Neumitglieder in Clubs willkommen geheißen werden, die ihnen etwas an Wert bieten können. Wenn Sie sehen, dass jemand zögerlich in ein Meeting kommt, gehen Sie auf die Person zu, bieten Sie einen Platz an, involvieren Sie die Person in das Gespräch. Und teilen Sie Ihre Begeisterung für ein Programm mit dem Club, damit die Clubfreunde wissen, wie sie mitmachen können. Wenn Sie einen Handlungsbedarf in Ihrem Gemeinwesen sehen, machen Sie das im Club zum Thema. Als Teil einer globalen, aktiven und wirkungsvollen Organisation müssen wir bei uns selbst beginnen. Daher: Seien Sie die Inspiration für Rotary!


Juli 2018

Vor einem Jahr verabschiedete der Zentralvorstand von Rotary International ein neues Vision Statement, in dem unsere Hoffnungen für unsere Organisation und ihre Zukunft zum Ausdruck kamen. Es lautet folgendermaßen: „Wir sehen eine Welt, in der Menschen gemeinsam nachhaltige Veränderungen schaffen – in allen Ländern, in unserer Nachbarschaft und bei uns selbst."

Diese einfache Aussage erfasst so viel dessen, was Rotary ausmacht. Wir arbeiten zusammen, weil wir gemeinsam wesentlich mehr bewirken können, als dies im Alleingang möglich wäre. Wir handeln, da wir keine Träumer, sondern Menschen der Tat sind. Wir setzen uns – in aller Welt und innerhalb unserer Gemeinden - für nachhaltige Veränderungen ein, die auch nach Ende unseres Wirkens bestehen bleiben. Und was wahrscheinlich das Allerwichtigste ist: Wir bemühen uns darum, uns selbst zu ändern – nicht nur bessere Lebensbedingungen um uns herum zu schaffen, sondern auch selbst zu besseren Menschen zu werden.

Ein dem französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry zugeschriebenes Zitat lautet: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann beginne nicht damit, Männer zusammenzutrommeln, Holz zu beschaffen und zuzuschneiden oder Aufgaben zu vergeben. Beginne stattdessen damit, Deinen Arbeitern die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer zu vermitteln." Jeder von uns kam zu Rotary aufgrund einer Sehnsucht – etwas zu bewirken, Veränderungen herbeizuführen, sich als Teil eines Größeren zu begreifen. Dieser Wunsch, diese Vision einer besseren Welt und unserer Rolle dabei motiviert uns bei unserem rotarischen Engagement. Dieser Wunsch hat uns dazu bewegt, Rotary beizutreten, motiviert uns zu gemeinnützigem Wirken und veranlasste mich zur Wahl des diesjährigen Rotary-Mottos: Sei die Inspiration.

Ich möchte, dass Rotary durch Engagement mit tiefgreifender Wirkung zu Gunsten unserer Gemeinden die Inspiration ist. Es ist an der Zeit, nach vorne zu schauen, indem wir uns fortschrittshemmender Barrieren entledigen. Wir müssen Änderungen in unseren Clubs erleichtern oder neue Clubs gründen, die unterschiedlichen Bedürfnissen entgegenkommen. Weiterhin sollten wir Rotaract stärken und für ein reibungsloses Überwechseln von Rotaractern zu Rotary sorgen. Alle Rotarier sollten die Flexibilität erhalten, sich so zu engagieren, wie es für sie am günstigsten ist, sodass die Mitgliedschaft bei Rotary jedem Rotarier langfristig am Herzen liegt.

Wahrhaft nachhaltiges, von Rotary angestrebtes Engagement bedeutet, dass sich all unser Wirken als Teil einer größeren globalen Ökologie versteht. In diesem Jahr möchte ich jeden einzelnen von Ihnen bitten, Inspiration für nachhaltiges Engagement zu sein, indem Sie sich mit der Auswirkung der Umweltproblematik auf unsere humanitäre Arbeit befassen. Die Umwelt spielt bei allen sechs unserer Schwerpunktbereiche eine Schlüsselrolle, welche im Zuge von Klimaänderungen weiter an Bedeutung zunehmen wird. Es ist höchste Zeit, die Umwelt in diese sechs Schwerpunktbereiche miteinzubeziehen. Zugang zu sauberer Luft, sauberem Wasser und unverseuchtem Land sind für gesunde Gemeinden unentbehrlich - und ebenso unentbehrlich für die bessere, gesündere Zukunft, nach der wir trachten.

Seien Sie die Inspiration – sodass wir der Welt gemeinsam mit gutem Beispiel vorangehen können.